Pflanzen des Karlsgartens: Kurzbeschreibung

Karl der Grosse hat im Capitulare de villis vel curtis imperii die folgenden 89 Pflanzenarten aufgeführt. Wenn immer möglich, sollten sie in allen Landgütern seines grossen Reichs angebaut werden.

Die Nummerierung entspricht der Reihenfolge, in der Karl der Grosse die Pflanzen aufgelistet hat. Dann folgt jeweils die lateinische Bezeichnung der Pflanze, die er verwendet hat. Weil diese Bezeichnung aus heutiger Sicht nicht immer eindeutig einer Pflanze zugeordnet werden kann, sind teilweise zwei Pflanzen (Ziffern a und b) aufgeführt.

Quellennachweis

Nr. 1: lilium - Madonnenlilie (Lilium candidum)

Die Madonnenlilie mit ihren majestätischen, weissen, trompetenförmigen Blüten gilt seit dem Altertum als Symbol der Reinheit und Unschuld, in christlicher Deutung als Symbol der Keuschheit.

Die Madonnenlilie ist eine Kulturpflanze, ihre wilden Verwandten sind der Türkenbund und die Feuerlilie. Die Zwiebeln verschiedener Lilienarten sind essbar. Unsere Madonnenlilien sind im Winter vermutlich von den Mäusen verspiesen worden ... In der Volksmedizin wird der frische, schleimige und adstringierende Saft in Salben und Tinkturen verarbeitet, zur Heilung entzündeter oder rissiger Haut.

Madonnenlilie Zwiebel

Nr. 2: rosas - Hundsrose (Rosa canina)

Die Hundsrose oder Heckenrose ist eine der häufigsten Wildrosen-Arten bei uns. Freistehend entwickelt sie sich zu einem bis 3 m hohen, rundlichen Busch mit überhängenden Ästen. Die Rose ist seit mehreren tausend Jahren eine wichtige Symbolpflanze, u.a. für Schönheit, Liebe, Tod und Vergänglichkeit. In ihr zeigen sich die Widersprüche des Lebens, sie bedeutet Liebe und Leid, sie vereint in sich die sanften Blumen und spitzen Stacheln.

Aus den Blüten kann Rosenwasser oder -saft hergestellt werden, in eingezuckerter Form werdenn sie haltbar gemacht. Das kostbare ätherische Öl wird zu wundheilenden Salben und in Parfums verarbeitet. Die Früchte (Hagebutten) werden zu Mus, Konfitüre oder in Tees verwendet. Weil sie sehr viel Vitamin C enthalten, wirken sie vorbeugend gegen Erkältungskrankheiten.

Hundsrose

Nr. 3: fenigrecum - Griechisch Heu, Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum)

Der Bockshornklee erhielt seinen deutschen Namen von der Form seiner Hülsen, vielleicht auch von der buckligen Form der Samen. Griechisch Heu nennt man ihn, weil er schon im alten Griechenland als Futterpflanze diente.

Die Pflanzen haben einen starken, an Curry erinnernden Geruch - die Blätter und die gerösteten Samen werden in Indien auch zu Currygerichten und für Currypulver verwendet. Sie sind sehr nahrhaft und enthalten viele Schleimstoffe. Aufgrund ihrer blutzucker- und cholesterinsenkenden Wirkung sind gemahlene Samen hilfreich bei Diabetes mellitus. Äusserlich werden sie auch als Paste bei Ekzemen oder Geschwüren eingesetzt.

Bockshornklee Schoten

Nr. 4: costum - Frauenminze, Balsamkraut (Tanacetum balsamita)

Die Frauenminze ist eine robuste, horstbildende Staude mit bläulichen, lederartigen Blättern. Die unscheinbaren Blüten erscheinen erst im späten Sommer. Ihre deutschen Namen hat sie aufgrund ihres starken Geruchs nach Minzen und Kampfer erhalten: Im Mittelalter wurden viele wohlriechende Pflanzen "Balsamkraut" genannt, alle würzig riechenden Pflanzen mit einfachen Blättern "Minzen".

Heute wird die Frauenminze wegen ihres aromatischen Geruchs in Duftsträussen geschätzt. Die Blätter können auch zum Würzen von fettem Fleisch oder als aromatisierender Zusatz in der Likörherstellung verwendet werden.

Frauenminze

Nr. 5: salviam - Gartensalbei (Salvia officinalis)

Der Gartensalbei ist ein aus dem Mittelmeergebiet stammender Halbstrauch, der bei uns nicht wild vorkommt. Die grau-filzigen Blätter duften charakteristisch. Der lateinische Namen "salvare" bedeutet "heilen", denn bereits im Mittelalter wurde seine grosse Heilkraft geschätzt.

Heute werden die Blätter einerseits als Würzpflanze verwendet (z.B. für Saltimbocca oder ausgebackene "Müslichüechli"). Andererseits als vielseitige Heilpflanze, z.B. bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut (Salbeibonbons, Gurgellösungen) oder im Klimakterium bei übermässigem Schwitzen (als Tee).

Garten-Salbei

Nr. 6: rutam - Weinraute (Ruta graveolens)

Die ebenfalls aus dem Mittelmeergebiet stammende Weinraute besitzt graugrüne, gefiederte Blätter und riecht streng aromatisch. Sie wurde bereits von den Römern als Gewürz- und Heilpflanze genutzt.

Für die Raupen des Schwalbenschwanzes ist sie äusserst attraktiv, auf viele Pflanzenschädlinge hingegen hat sie eine abschreckende Wirkung. Deshalb wurde die Weinraute bereits im Altertum als dekorative und nützliche Gartenpflanze angebaut. Im Mittelalter war sie ein Bestandteil des bekannten "Vierräuberessigs" (Mittel gegen die Pest). Heute nutzt man ihre verdauungsfördernde Wirkung im italienischen "Grappa" sowie in Likören.

Weinraute

Nr. 7: abrotanum - Eberraute (Artemisia abrotanum)

Die Eberraute wird manchmal auch "Colakraut" oder "Gummibärlistrauch" genannt, aufgrund ihres durchdringend aromatischen Dufts (leicht nach Zitrone, mit etwas Phantasie "Cola-ähnlich"). Sie ist mit dem Wermut und dem Beifuss verwandt und wird wie diese zum Würzen von fettem Fleisch, d.h. als verdauungsförderndes Gewürz verwendet.

In Deutschland wurde sie früher ins Kirchen-Gesangbuch gelegt, um sich während der Predigt an ihrem Duft zu laben. In Frankreich hingegen hängte man kleine Eberrautensträusse in die Schränke, um Flöhe und Motten zu vertreiben. Sie wird deshalb heute auf französisch manchmal "garderobe" genannt.

Eberraute

Nr. 8: cucumeres - Gurke (Cucumis sativum)

Die wärmeliebende Gurke ist eine bekannte Salat- und Gemüsepflanze. Unter der Bezeichnung "cucumeres" wurden früher aber verschiedene Kürbisgewächse zusammengefasst, so dass nicht klar ist, ob Karl der Grosse wirklich die Gurke meinte. Auch wenn sie in der griechisch-römischen Antike schon kultiviert wurde.

Bei den heutigen Sorten wird darauf geachtet, dass sie wenig Bitterstoffe enthalten. Die Samen der Gurken und der verwandten Melonen und Kürbisse werden auch medizinisch verwendet (bei Prostatabeschwerden). In der Kosmetik nutzt man Gurken aufgrund ihrer Wasserbindungsfähigkeit in Kosmetika und für "Gurkenmasken".

Gurken

Nr. 9: pepones - Zuckermelone (Cucumis melo)

Noch wärmeliebender als die Gurke ist die Zuckermelone. Im 2017 war der Sommer auch bei uns so warm, dass die Pflanzen selbst im Freiland schöne und saftige Früchte hervorbrachten. Hier ist die robuste Sorte "Petit Gris de Rennes" zu sehen, die auch unter weniger warmen Bedingungen ausreift.

Melonen werden heute vor allem als Dessertfrüchte genossen. In Afrika werden die Samen auch zur Ölgewinnung und als Mehl verwendet.

Zuckermelone

Nr. 10: cucurbitas - Flaschenkürbis (Cucurbita lagenaria, Lagenaria siceraria)

Der Flaschenkürbis wird auch Kalebasse genannt. Er wächst mit meterlangen Ranken an Zäunen und an anderen Pflanzen empor. Die imposanten Früchte können je nach Sorte bis zu 1 m lang werden. Bei den Flaschenkürbissen, die im 2017 im Karlsgarten in Mettendorf wuchsen, handelte es sich leider um bittere Sorten, diese können nicht gegessen werden.

Im Mittelalter wurden Bezeichnungen wie pepo, melo, melopepo und citrullus für verschiedene Kürbisgewächse (auch für Gurken) verwendet. Deshalb sind die drei Bezeichnungen cucumeres, pepones und cucurbitas im Capitulare de villis (800 n. Chr.) erstaunlich. Denn der echte Kürbis (Cucurbita pepo), der heute angebaut wird, war in Europa erst nach der Entdeckung Amerikas, d.h. nach 1500 n. Chr. bekannt.

Flaschenkürbis

Nr. 11a: fasiolum - Schlangenbohne, Kuhbohne, Spargelbohne (Vigna unguiculata)

Die Kuhbohne stammt als alte Kulturpflanze vermutlich aus Afrika. Heute wird sie in den gesamten Tropen und Subtropen in vielen Sorten angebaut.

Die hier angepflanzte Sorte (Spargelbohne) wächst wie Stangenbohnen bis 2.5 m in die Höhe. Aus den lila Blüten entwickeln sich bis 90 cm lange, schmale Hülsen, die im jungen Zustand wie Gartenbohnen gekocht werden können und angenehm mild schmecken. Die Samen der ausgereiften Früchte sind köstlich in einem Bohneneintopf. In Asien werden sie auch als Keimsprossen genutzt.

Schlangenbohne

Nr. 11b: fasiolum - Helmbohne (Dolichos lablab)

Die Helmbohne stammt vermutlich aus Indien. Sie wächst mit bis zu 6 m langen Trieben schlingend und kletternd in die Höhe. Und wenn im November bei uns nicht die Kälte käme, würde sie bestimmt immer weiter wachsen ...

Charakteristisch an der Helmbohne sind die violetten, schiffchenförmigen, flachen Hülsen. Die Samen im Innern sind im ausgereiften Zustand tiefschwarz, mit einem weissen Nabel, der die Samen helmartig überzieht. Dieser hat der Bohne vermutlich ihren deutschen Namen gegeben. Nach ausreichender Einweichzeit lassen sie sich hervorragend zu Bohnengerichten verwenden.

Helmbohne

Nr. 12: ciminum - Kreuzkümmel (Cuminum cyminum)

Der Kreuzkümmel ist mit dem bei uns heimischen Wiesenkümmel verwandt, stammt aber aus dem nördlichen Afrika. Er wächst in unserem Klima nur kümmerlich und kommt oft nicht zum Blühen. Im 2018 haben wir es geschafft, ihn anzuziehen, er ist aber immer noch winzig klein. Im Osten spielt der Kreuzkümmel als Gewürz eine wichtige Rolle, er ist ein wesentlicher Bestandteil von Curry-Mischungen.

Als Heilpflanze kann der Kreuzkümmel gleich wie unser Wiesenkümmel verwendet werden, bei Blähungen und Völlegefühl. Deshalb übertrug man im Mittelalter den Namen "Kümmel" auf die bei uns heimische Pflanze. Interessanterweise werden aber im Capitulare de villis beide Kümmelarten aufgeführt: ciminum (Nr. 12) und careium (Nr. 14).

Nr. 13: ros marinum - Rosmarin (Rosmarinus officinalis)

Der Rosmarin ist ein bis 1 Meter hoher Kleinstrauch aus dem Mittelmeergebiet, der in unserem Klima nicht vollständig winterhart ist. Seine zart blauen Blüten erscheinen im Frühling an immer neuen Kurztrieben. Wir halten ihn in den frostigen Monaten im ungeheizten Gewächshaus, dort blüht er dann bereits im Winter.

Schon seit dem Altertum wird Rosmarin als Gewürz- und Heilpflanze genutzt. Im Karlsgarten gehört er zusammen mit dem Kümmel und dem Kreuzkümmel zur Gruppe der verdauungsfördernden Kräuter. In der modernen Pflanzenheilkunde hat er dank seiner blutdrucksteigernden und kreislaufstimulierenden Wirkung eine wichtige Stellung. Als Küchengewürz für mediterrane Gerichte sollte er aufgrund seines intensiven Aromas sparsam eingesetzt werden.

Rosmarin

Nr. 14: careium - Kümmel (Carum carvi)

Als "Wiesenkümmel" findet man den Kümmel bei uns häufig auf Wiesen und Weiden in mittleren und höheren Lagen. Seine Früchte sehen ähnlich aus wie die des Kreuzkümmels (Nr. 12), schmecken aber ganz anders. Beide machen schwerverdauliche Speisen wie Fleisch- und Kohlgerichte bekömmlicher, sind aber in unterschiedlichen Gebieten heimisch: Kreuzkümmel im südlichen Europa, Wiesenkümmel im nördlichen Europa.

Kümmelsamen (auf dem Foto noch unreif) enthalten viele ätherische Öle und werden heute in der Pflanzenheilkunde bei Verdauungsbeschwerden mit Blähungen und Völlegefühl eingesetzt, auch bei Säuglingen. Dieselbe aber etwas schwächere Wirkung entfalten auch Fenchel- (Nr. 36) und Anis-Samen (Nr. 19).

Kuemmel

Nr. 15: cicerum italicum - Kichererbse (Cicer arietinum)

Die Kichererbse ist eine wichtige Nutzpflanze des Mittelmeerraums und der Subtropen, die sehr trockenheitsresistent ist. Der Zusatz "italicum" im Capitulare de villis weist auf seine südliche Herkunft hin. Kichererbsen wachsen etwa 1/2 m hoch und buschig aufrecht. Die rundlichen Hülsen enthalten meist 2 grosse Samen, die in unserem Klima jedoch nicht ganz ausreifen.

Heute werden Kichererbsen in mehreren Formen angebaut: Formen mit schwarzen Samen (vulgare) werden hauptsächlich als Futterpflanzen genutzt, Formen mit grossen schwarzen Samen (macrocarpa) geröstet als Kaffee-Ersatz. Die im Detailhandel erhältlichen gelblichen Samen (album) ergeben nach ausreichender Einweich- und Kochzeit ein aromatisches, nussig schmeckendes Erbsengericht. In südlichen Ländern werden daraus verschiedene Nationalgerichte zubereitet.

Kichererbsen

Nr. 16: squillam - Meerzwiebel (Urginea maritima)

Die Meerzwiebel ist ein Liliengewächs, das früher zur Gattung Scilla gezählt wurde. Deshalb wird sie in älteren Büchern unter dem Namen Scilla maritima aufgeführt, im Capitulare de villis hat sie den Namen squillam. Sie stammt aus den trockenen Gebieten Afrikas, wo sie mit ihrer Zwiebel die sommerliche Trockenheit überstehen kann. Die Zwiebel ist je nach Form weiss oder rot. Aus ihr entwickelt sich eine Blattrosette und ein aufrechter Blütenschaft mit weissen Blüten. Sie ist auch bei uns ziemlich frosthart, wird aber im Winter besser im Topf im kühlen Gewächshaus gehalten.

Die Zwiebel wurde schon im Altertum arzneilich verwendet. Sie enthält herzwirksame Glykoside und wird heute noch in standardisierten Präparaten eingesetzt, bei leichter Herzinsuffizienz und bei eingeschränkter Nierenfunktion. Einer ihrer Inhaltsstoffe wirkt bei Nagetieren als Nervengift. Deshalb wurden Meerzwiebeln lange Zeit für die Herstellung von Rattengift verwendet.

Nr. 17a: gladiolum - Deutsche Schwertlilie (Iris germanica)

Die deutsche Schwertlilie ist der Prototyp einer Iris. Sie stammt aus dem Mittelmeergebiet und ist bei uns v.a. als Zierpflanze bekannt. Sie besitzt einen kräftigen Wurzelstock, aus dem sich schwertförmige, zweizeilig angeordnete Blätter und die charakteristischen, blauen Blüten entwickeln. Schwertlilien werden heute in vielen verschiedenen Formen und Farben gezüchtet.

Bei den Griechen waren Schwertlilien die Pflanzen der Götterbotin Iris, welche die Seelen der Verstorbenen entlang des Regenbogens ins Land des ewigen Friedens geleitete. Dioskurides rühmte in seinem Kräuterbuch die Heilkraft der "Violwurz", weshalb sie vermutlich auch von Karl dem Grossen in seine Pflanzenliste aufgenommen wurde. Die Schwertlilie wird auch heute noch "Veilchenwurzel" genannt, weil die in feine Scheiben geschnittenen und getrockneten Wurzelsprosse mit zunehmendem Alter einen feinen Veilchenduft verströmen. Volksmedizinisch werden sie in Hustentees verwendet, in der Parfümindustrie zum Binden von Aromen (Fixativ), das ätherische Öl auch als Zusatz zu Likören.

Bartiris

Nr. 17b: gladiolum - Gladiole, Siegwurz (Gladiolus italicus)

Zur Gattung Gladiolus gehören rund 150 Arten mit knolligen Wurzelstöcken und schwertförmigen Blättern. Sie sind mit den Irisgewächsen verwandt. Neben den kleineren Wildsorten findet man heute in den Gärten viele verschiedene Zuchtformen von Gladiolen (s. Foto). In älteren Schriften wurden die verschiedenen Gladiolenarten meist nicht unterschieden. Im Capitulare de villis dürfte die Wildform Gladiulus italicus gemeint sein, die im Mittelmeerraum verbreitet ist.

Früher wurde der Wurzelstock der Siegwurz so zurecht geschnitzt, dass er der echten Alraune ähnlich sah. Sie wurde von Kriegern als Talisman um den Hals getragen, um unbesiegbar zu sein. Daher hat sie den Namen "Siegwurz" erhalten. Blätter und Wurzeln wurden früher aufgrund ihrer ätherischen Öle und ihres Vitamin-C-Gehalts gegen eine Hauterkrankung (Skrofulose) und als Wundmittel bei Tieren eingesetzt. Heute verwendet man Gladiolen nur noch als Zierstauden. Über den Winter sollten die Knollen bei uns ausgegraben und im Keller trocken gelagert werden.

Schlangenknoeterich

Nr. 18a: dragantea - Schlangenknöterich (Polygonum bistorta)

Die Namen "Schlangenknöterich", "Schlangenwurz" und lat. "bistorta" beziehen sich auf den dicken, schlangenartig gewundenen Wurzelstock der Pflanze. Aus diesem entspringen weit kriechende Ausläufer, die für die nestartige Ausbreitung der Pflanze sorgen. Im Karlsgarten wird sie durch eine Wurzelsperre an einer übermässigen Ausbreitung gehindert.

Die Wurzel wurde sowohl von den antiken und mittelalterlichen Kräuterkundigen wie auch von den nordamerikanischen Indianerstämmen früher gleich verwendet: Zur Behandlung von inneren und äusseren Blutungen, bei Verletzungen und Vergiftungen. Heute bringt man diese Heilwirkung mit den Inhaltsstoffen der Schlangenwurzeln in Verbindung: Sie enthalten viele Gerbstoffe, daneben Stärke und Vitamin C. Gerbstoffpflanzen werden auch heute erfolgreich bei Entzündungen von Haut und Schleimhäuten sowie bei Durchfall angewendet.

Schlangenknoeterich

Nr. 18b: dragantea - Estragon (Artemisia dracunculus)

Estragon ist eine bekannte Gewürzpflanze, von der es zwei Sorten gibt: Der robustere russische Estragon und der etwas kälteempfindlichere, zierlichere aber geschmacklich wesentlich bessere französische Estragon. Die schmalen Blätter und kleinen Blütenköpfchen duften schwach aromatisch. Das intensivste Aroma entwickeln die Pflanzen im Spätsommer.

Gemäss Berichten würzten schon die Chinesen um 2000 v. Chr. ihre Speisen mit Estragon. Später wurde die Pflanze nach Europa gebracht. Aufgrund eines falsch verstandenen Namens (aus "tarcon" wurde "drago") meinte man früher, dass das Kraut Drachen und Schlangen vertreibt. Aus dem französischen Küchenkraut "herbe au dragon" wurde der heutige Namen "Estragon". Heute noch ist es das klassische Würzkraut der französischen Küche, es ist Bestandteil der berühmten "fines herbes", neben Kerbel, Petersilie und Schnittlauch. Estragon eignet sich nicht zum Trocknen, deshalb wird das Kraut oft in Kräuteressig angesetzt.

Estragon

Nr. 19: anesum - Anis (Pimpinella anisum)

Anis ist eine einjährige Pflanze aus dem Mittelmeerraum. Seine Blätter sind vielgestaltig: die unteren sind fast rund und ungeteilt, weiter oben zunehmend feiner geteilt. Darüber sitzen die typischen weissen Doldenblüten, aus denen im Herbst die zweispaltigen Früchte heranreifen. Der charakteristische würzig-süssliche Geschmack, den Sie bestimmt von den Anisguezli her kennen (z.B. Chräbeli), entwickelt sich erst richtig bei der Lagerung.

Schon die Ägypter kannten Anis als Gewürz- und Heilpflanze. Er war auch Bestandteil des griechischen Wundergetränks "Theriak", das bei fast allen Krankheiten helfen sollte. Heute werden einige Liköre mit Anis hergestellt (z.B. Pastis, Pernod). In der modernen Phytotherapie setzt man gequetschte Anissamen ähnlich wie Kümmel- und Fenchelsamen ein. Dabei steht der Anis bezüglich Wirkung stets "an zweiter Stelle", wird wegen seines guten Geschmacks aber gerne beigemischt: Bei krampfartigen Verdauungsstörungen mit Blähungen sowie bei Entzündungen der oberen Atemwege mit Husten.

Anis

Nr. 20a: coloquentidas - Koloquinthe (Citrullus colocynthis)

Die Koloquinthe wächst als mehrjährige Pflanze wild in dürren Steppen im Mittelmeergebiet sowie in Gebieten Asiens. Bei uns kann sie wie die meisten Kürbisgewächse nur als einjährige Pflanze kultiviert werden.

Die runden, grünen, orangengrossen Früchte reifen meist nur im Gewächshaus heran. Die lederartige Rinde umschliesst ein widerlich bitteres Fruchtfleisch, das der Pflanze ihren Namen gegeben hat. colocynthis ist zusammengesetzt aus colon = Eingeweide und kineein = bewegen, was zusammengesetzt die Wirkung der Frucht beschreibt: Sie ist ein drastisches Abführmittel, das in grösseren Mengen zu Entzündungen des Verdauungskanals und zu Koliken führen kann.

Koloquinthe

Nr. 20b: coloquentidas - Zweihäusige Zaunrübe (Bryonia dioica)

Mit coloquentidas war im Capitulare de villis vielleicht nicht die Koloquinthe, sondern die ebenfalls giftige Zaunrübe gemeint. Sowohl der Name Zaunrübe wie auch der aus dem Griechischen stammende Namen Bryonia (= Kletterpflanze) deuten auf die 2-3 m hoch kletternden Ranken dieses ausdauernden Kürbisgewächses hin. Die etwa 1 cm grossen Beeren der zweihäusigen Zaunrübe (Bryonia dioica) sind im reifen Zustand rot, diejenigen der hier abgebildeten weissen Zaunrübe hingegen (Bryonia alba) sind schwarz. Sie sind wie die ganze Pflanze stark giftig!

Die Wurzeln wurden früher wie die Koloquinthenfrüchte als drastisches Abführmittel eingesetzt. Denn im Mittelalter waren die Ärzte der Auffassung, dass jeder Körper vor einer Behandlung gereinigt, d.h. purgiert werden müsse. Heute wird aus der Zaunrübe ein homöopathisches Mittel bereitet. Spezielle Extrakte werden auch in einigen Fertigarzneimitteln verwendet.

Zaunruebe

Nr. 21: solsequiam - Ringelblume (Calendula officinalis)

Die Ringelblume mit ihren leuchtend gelben oder orangen Blütenköpfchen ist eine beliebte Bauerngartenblume. Als Heilpflanze wird sie heute vor allem in Salben gegen Hautprobleme eingesetzt. Mit ihren antiseptischen und heilenden Eigenschaften verhindert sie bei Hautverletzungen oder Abschürfungen die Ausbreitung von Infektionen und beschleunigt die Wundheilung. Bei einer Allergie auf Korbblütler (z.B. Arnika) sollten Ringelblumensalben allerdings nicht verwendet werden.

Vermutlich stammt die Ringelblume von der im Mittelmeerraum heimischen Acker-Ringelblume ab. Schon in frühen Kulturen war sie als Heilkraut sowie als Färbepflanze bekannt. So wurden ihre kräftig gelben Blütenblätter auch gerne als Safranersatz verwendet. Im frühen Mittelalter, d.h. zu Zeiten Karl des Grossen war sie nördlich der Alpen vermutlich noch nicht bekannt. Aber seit dem hohen Mittelalter wird sie in ganz Europa als Gewürz-, Arznei-, Garten- und auch als Zauberpflanze verwendet.

Ringelblume

Nr. 22: ameum - Ammei (Ammi copticus, Trachyspermum copticum)

Der "echte" Ammei oder Ajowan ist in Indien heimisch. Er ist mit unserem Kümmel und der Karotte verwandt und sieht auch ähnlich aus: Die oberen Blätter sind in feinste Fiederchen unterteilt. Aus den kleinen weissen, doldenförmig angeordneten Blüten entwickeln sich aromatisch duftende, eiförmige Früchte. Weil die Früchte rauhaarig sind, erhielt die Pflanze den heute gültigen Gattungsnamen Trachyspermum.

Die Früchte des Ammei wurden auf den mittelalterlichen Märkten als wohlriechendes, exotisches Gewürz gehandelt. Von Dioskorides wurde der Ammei auch "Aethiopischer Kümmel" genannt. In der ayurvedischen Medizin wird Ajowan noch heute eingesetzt, ebenso in der orientalischen Küche. Die Ajowan-Früchte enthalten ein ätherisches Öl, das fast zur Hälfte aus Thymol besteht. Wir kennen diesen Duft vom Thymian her, der aufgrund seiner desinfizierenden Wirkung insbesondere bei Erkältungen erfolgreich eingesetzt wird.

Mit ameum meinte Karl der Grosse vielleicht auch den Bärwurz (Meum athamanticum): Eine Alpenpflanze, die mit der Mutterwurz eng verwandt ist (vgl. Nr. 33a).

Ammei

Nr. 23: silum - Bergkümmel (Laserpitium siler)

Der Bergkümmel (Berg-Laserkraut, Seselkraut) gehört wie der Ammei zu einer Reihe von sehr ähnlich aussehenden Doldengewächsen, die alle kümmel- oder fenchelartig riechen. Im Unterschied zum Kümmel ist der Bergkümmel allerdings ausdauernd und besitzt ziemlich grosse, längliche Blattfiedern.

Die Früchte des Bergkümmels weisen 4 Flügel auf. Sie galten früher - wie die Kümmel- und Fenchelfrüchte - als erwärmendes und verdauungsförderndes Mittel. Sie schmecken allerdings etwas bitterer und schärfer. Als Teeaufguss lindern sie Magen- und Bauchschmerzen. Heute wird Bergkümmel kaum mehr verwendet, da er ziemlich selten ist. Kümmel, Liebstöckel und Fenchel sind viel einfacher zu kultivieren und können ähnlich verwendet werden.

Bergkuemmel

Nr. 24: lactucas - Lattich (Lactuca sativa)

Der Lattich wurde bereits von den Ägyptern angebaut und als Salat oder Gemüse verzehrt. Danach breitete er sich über die ganze griechische und römische Welt aus. Die Römer nannten ihn wegen seinem weissen Milchsaft lactuca. Dieser Milchsaft ist vor allem im aufgeschossenen Blütenschaft enthalten und schmeckt bitter. Weil er psychoaktive, beruhigende Wirkstoffe enthält, wurden die milchsaft-reichen Teile des Lattichs von den Römern als schlafförderndes Gemüse geschätzt. Der mit dem Gartenlattich verwandten Giftlattich (Lactuca virosa) kommt bei uns auch wild vor. Er enthält dieselben psychoaktiven Inhaltsstoffe und wurde deshalb in neuerer Zeit als "Haschischersatz" verwendet.

Bei uns wird der Lattich in verschiedenen Zuchtformen angebaut (z.B. Pflücksalat, Schnittsalat, römischer Salat, Kopfsalat). In den Salatblättern sind fast keine der psychoaktiven Wirkstoffe enthalten. Problematisch ist heute eher deren hohe Nitratgehalt: Am tiefsten ist der Gehalt bei biologisch angebautem, in der Sonne wachsendem Salat, der gegen Abend geerntet wurde.

Giftlattich_Bluete

Nr. 25: git - Schwarzkümmel (Nigella sativa)

Bei uns ist vor allem der Garten-Schwarzkümmel (Nigella damascena) als "Jungfer im Grünen" bekannt. Sie ist die klassische Symbolblume der verschmähten Liebe: Junge Frauen gaben früher den nicht erwünschten Freiern ihre Ablehnung mit dieser Blume zu verstehen. Aus den zierlichen Blüten des Schwarzkümmels entwickeln sich schwarze, harte, dreikantige, ölreiche Samen, die der Blume die Namen Schwarzkümmel und Nigella verliehen haben.

Die Samen wurden bereits in der Antike als vielseitiges Gewürz für Brot und Kuchen verwendet, weil sie verdauungsfördernde Eigenschaften besitzen. Heute wird der Schwarzkümmel vor allem in Ägypten feldmässig angebaut. Aus den Samen gewinnt man ein Öl, das reich an essentiellen Fettsäuren ist. Auch wenn das Schwarzkümmelöl bei uns nicht als Heilmittel, sondern als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft ist, wird es von der Naturheilkunde u.a. bei Allergien und zur Regulierung des Immunsystems eingesetzt.

Schwarzkuemmel_Bluete

Nr. 26: eruca alba - Rucola, Ölrauke (Eruca sativa)

Manche kennen Rucola als Salatpflanze, die bei uns einjährig wächst und manchmal auch überwintert. Im Mittelmeergebiet wächst diese scharf schmeckende Gewürzpflanze wild und wird seit dem Altertum angebaut. Dioskorides bezeichnete die Pflanze als Weissen Senf und empfahl ihn als verdauungsförderndes und harntreibendes Heilkraut.

Die Samen und grünen Teile der Ölrauke liefern ein fettes Öl (Raukenöl), dessen Fettsäure (Erucasäure) für den scharfen Geschmack verantwortlich ist. Die Samen können für die Herstellung von Senf und scharfen Saucen verwendet werden. Die Blättchen werden als Salat gegessen (Rucola-Salat aus Italien) oder als Würze an Blattsalate gegeben. Rucola schmeckt scharf-würzig und ist nicht jedermanns Geschmack.

Rucola_Bluete

Nr. 27: nasturtium - Brunnenkresse (Nasturtium officinale)

Die echte Brunnenkresse wächst weit kriechend an Ufern von Bächen und Gräben, am liebsten in fliessendem Wasser. An den Blattachseln entspringen oft Wurzeln, die im Wasser ein dichtes Geflecht bilden. Die Blätter bleiben auch im Winter grün, sofern sie nicht in einfrierendem Wasser absterben. Mit ihrem scharfen Kressegeschmack sind die vitaminreichen Blätter in der kalten Jahreszeit eine willkommene Salatbeigabe. Der scharfe Geschmack gab der Pflanze vermutlich auch ihren lateinischen Namen ("nasus tortus" heisst so viel wie "gerümpfte Nase").

Die Brunnenkresse wurde vermutlich schon in der Antike als Heilpflanze verwendet. Auch heute wird sie in der Naturheilkunde bei Husten und Bronchitis eingesetzt. Ihre Wirkung beruht neben dem Vitamin C-Gehalt vor allem auf den antibiotisch wirkenden Senfölen, die man auch im Meerrettich und in der Kapuzinerkresse findet.

Brunnenkresse_Fruechte

Nr. 28: parduna - Grosse Klette (Arctium lappa)

Die grosse Klette ist eine typische zweijährige Pflanze: Im ersten Jahr bildet sie eine Rosette mit Blättern, im zweiten Jahr einen bis 150 cm langen, verzweigten Stängel, an dem sich die Blütenstände und später die kugeligen "Klettfrüchte" entwickeln. Diese Früchte bleiben mit ihren Widerhäkchen an Kleidung und Fell kleben und werden so verbreitet. Dieses "Klettprinzip" lieferte das natürliche Vorbild des heutigen Klettverschlusses.

Im Mittelalter wurde die grosse Klette als Heilpflanze verwendet. Auch heute werden das etwas bitter schmeckende Laub und die leicht süssen, schleimigen Wurzeln zu Heilzwecken eingesetzt: Zur Ausscheidung von Giftstoffen, z.B. bei Infektionen und bei Hautproblemen. Die im Herbst/Winter des ersten Jahrs geernteten Wurzeln lassen sich roh oder gekocht als Gemüse verwenden. Im zweiten Jahr können auch die Stiele junger Blätter als Gemüse gegessen werden.

Grosse_Klette_Fruchtstand

Nr. 29: puledium - Polei-Minze (Mentha pulegium)

Die Polei-Minze unterscheidet sich von den anderen einheimischen Minzen-Arten durch ihr schwächeres Wachstum, die kleinen Blätter und ihre kompakten Teilblütenstände. Im Unterschied zu den anderen Minzen-Arten bevorzugt sie eher trockene Böden. Sie breitet sich mit langen, auf dem Boden liegenden Trieben aus.

Früher glaubte man, dass die Pflanze Flöhe vertreiben kann, woher der Name "pulegium" stammt (lat. pulex = Floh). Sie war im Mittelalter auch eines der bekanntesten Abtreibungsmittel. Diese Wirkung lässt sich heute auf ihr ätherisches Öl zurückführen, das vor allem Pulegon enthält, und nicht das für Minzen typische Menthol. Pulegon besitzt nicht nur abtreibende Wirkung, sondern ist auch ein Lebergift. Deshalb wird die Polei-Minze bei uns nicht mehr als Heilmittel verwendet.

Poleiminze_Bluete

Nr. 30: olisatum - Pferde-Eppich (Smyrnium olusatrum)

Der Pferde-Eppich wurde in seinem natürlichen Verbreitungsgebiet (Mittelmeerraum) bereits in vorchristlicher Zeit verwendet. Vor allem die grossen Blattstiele wurden als Gemüse zubereitet, sie ähneln in Geschmack und in der Konstistenz dem Staudensellerie. Die aromatischen Früchte wurden als Gewürz genutzt und als blutreinigendes und harntreibendes Heilmittel eingesetzt.

Der Pferde-Eppich erhielt im Laufe der Zeit viele verschiedene Namen (z.B. hipposelinon, olisatrum, alexandrinum). Im Mittelalter war seine Kultur vermutlich auch bei uns weit verbreitet. Danach wurde er durch den Sellerie ersetzt, der weniger frostempfindlich ist. Heute wird der Pferde-Eppich auch im Mittelmeerraum nicht mehr kultiviert.

Pferdeeppich_Kraut

Nr. 31: petresilinum - Petersilie (Petroselinum crispum)

Im Mittelalter schätzte man die Petersilie als Heilpflanze gegen Verdauungsstörungen und Erkrankungen der Harnwege. In der Volksmedizin galt sie als sog. Aphrodisiakum. Deshalb gibt es In manchen mittelalterlichen Städten heute noch Petersilienstrassen im Prostituiertenviertel. Wurzeln und Samen wurden früher in hohen Dosen als Abtreibmittel verwendet. Auch galt die Petersilie früher als Zauberkraut, das sowohl Glück als auch Unglück bringen konnte.

Heute ist Petersilie eines der wichtigsten Würzkräuter. Sie wird in verschiedenen Varietäten angebaut und ist reich an Vitamin A, C sowie Eisen. Am aromatischsten ist die glatte, italienische Petersilie. Die Blätter sollten stets frisch verwendet werden, beim Trocknen und Gefrieren verlieren sie an Aroma. Von der Knollenpetersilie kann man auch die Wurzel (Petersilienwurzel) zum Kochen verwendet werden.

Vor allem die Samen wirken harntreibend und krampflösend. Aufgrund ihrer nierenreizenden und abtreibenden Wirkung werden sie heute nicht mehr verwendet. Das Kraut und die Wurzeln hingegen werden zur Durchspülungstherapie (bei Harnwegsentzündung und Nierengriess) eingesetzt. Als Küchengewürz erreicht Petersilie diese Wirkung jedoch nicht und kann auch während der Schwangerschaft unbedenklich genossen werden.

Pferdeeppich_Kraut

Nr. 32: apium - Sellerie (Apium graveolens)

Sellerie gehört wie Petersilie, Karotte und Pastinake zur Familie der Doldenblütler. Es sind alles zweijährige Pflanzen, die im ersten Jahr eine Blattrosette bilden und im zweiten Jahr einen hohen Blütenschaft mit weissblütigen Dolden.

In Deutschland wurde der Sellerie früher Eppich genannt. Als Gewürz hat er eine lange Tradition. In der Antike wurde ein Selleriekranz als Symbol des Sieges getragen, er wurde aber auch im Totenkult eingesetzt. Im Mittelalter war Sellerie vor allem eine Arzneipflanze, deren Blätter, Stängel und Wurzeln gegessen wurden. In dieser Zeit wurden auch Bleich- und Knollensellerie herausgezüchtet. Heute wird vor allem die Wurzel verwendet, in Suppen, Fonds, auch als wichtigster Bestandteil des "Waldorf-Salats".

Sellerie besitzt eine harntreibende, krampflösende und antiseptische Wirkung. Als Gemüse oder als Gewürz gegessen, kann er deshalb bei Blasenleiden und bei rheumatischen Beschwerden helfen. Vorsicht: Während der Schwangerschaft, bei Nierenentzündung und vor allem bei bekannter Allergie auf Sellerie sollte darauf verzichtet werden.

Pferdeeppich_Kraut

Nr. 33a: levisticum - Mutterwurz (Ligusticum mutellina)

Die Mutterwurz ist ein ausdauernder Vertreter der Doldengewächse. Ihr Kennzeichen sind der dichte Faserschopf am Wurzelstock-Hals sowie die intensive Rotfärbung der Blütenknospen. Sie wächst auch heute noch auf alpinen Weiden bis über die Waldgrenze hinauf. Wenn Kühe sie auf den Alpen fressen (was heute nur noch selten der Fall ist), steigert sie die Qualität und Menge der Kuhmilch und macht die Alpenmilch aromatischer.

Im Lauf der Zeit wandelte sich der Name Ligusticum über Libysticum zu Levisticum ab. Es ist deshalb nicht klar, ob Karl der Grosse mit levisticum die Mutterwurz oder den Liebstöckel (s. unten) gemeint hat. Die Mutterwurz ist mit dem Bärwurz (Nr. 22b) eng verwandt, der ebenfalls auf Alpweiden wächst und intensiv würzig nach Fenchel riecht. Die Wurzeln und Früchte beider Arten wurden früher bei Verdauungsstörungen und Blähungen eingesetzt. Der deutsche Namen Mutterwurz bezieht sich auf die Anwendung bei Frauenleiden.


Mutterwurz-Bluete

Nr. 33b: levisticum - Liebstöckel (Levisticum officinale)

Der Liebstöckel ist eine stattliche Pflanze, die wegen ihres Geschmacks auch Maggikraut genannt wird. Er wurde schon seit dem Mittelalter in Klostergärten kultiviert. Wie der deutsche Name vermuten lässt, wurde der Liebstöckel in der Volksmedizin nicht nur zur Verdauungsförderung, sondern auch als lustförderndes Mittel verwendet.

Heute wird die Wurzel des Liebstöckels als harntreibendes und krampflösendes Mittel bei Harnleiden eingesetzt. Bei längerer Anwendung sollte wegen seiner photosensibilisierenden Eigenschaft auf intensives Sonnenbaden verzichtet werden. In der Küche werden vor allem die jungen Blätter des Liebstöckels in Suppen, Eintöpfen, Salaten oder Kräutersossen verwendet. Sie verleihen ihnen den typischen "Maggigeschmack".

Nr. 34: savinam - Sadebaum (Juniperus sabina)

Der Sadebaum ist ein dichter, niederliegend und breit wachsender Strauch, der mit dem Wacholder eng verwandt ist. Er wird auch Stink-Wacholder genannt und ist in allen Teilen stark giftig! Sein ätherisches Öl erzeugt starke Gebärmutterkrämpfe, deshalb wurde er im Altertum als Abtreibungsmittel verwendet. Weil dies für die werdende Mutter oft nicht gut ausging, erhielt der Sadebaum den Volksnamen Jungfernrosmarin (Rosmarin ist die Blume der Trauer). Das ätherische Öl des Sadebaums wirkt auch auf den Magen-Darm-Trakt, die Nieren und die Haut stark reizend. Deshalb verwendete man es früher, um Warzen und Feigwarzen zu entfernen.

Heute wird der Sadebaum nicht mehr verwendet. Weil er Überträger des Birnenrosts ist (einer Krankheit unserer Kulturbirnen), wurde sein Anbau teilweise sogar verboten.

Sadebaum

Nr. 35: anetum - Dill (Anethum graveolens)

Der Dill ist eine etwa 1 m hohe, einjährige Gewürzpflanze, die mit ihren feingliedrigen Blättern dem Fenchel ähnlich sieht (vgl. Nr. 36). Die Dolden des Dills sind gelb und flach, die fadendünnen, von einer Wachsschicht überzogenen Blätter deuten auf seine südliche Herkunft hin (verdunstungshemmende Anpassung). Seit dem frühen Mittelalter bauten die Benediktinermönche den Dill auch im Norden und Osten Europas an. Denn erstaunlicherweise wächst er auch im Norden sehr gut. In Skandinavien und an der Nordseeküste wird Dill seit langem für Gewürzgurken (deshalb Gurkenkraut) und Fischsossen verwendet.

Im warmen Sommer von 2017 hat sich der Dill in unserem Karlsgarten selbständig vermehrt: Die im Spätsommer durch Selbstaussaat entstandenen Pflanze wuchsen wesentlich kräftiger als die Frühjahrssaat und sorgten für eine reiche Ernte.

Als Gewürz für Salate werden die während der Blüte geernteten Blätter frisch verwendet. Beim Trocknen oder Kochen verlieren sie ihren Geruch. Für Suppen oder Gemüsegerichte werden die Fruchtstände und Stängel eingesetzt, denn diese behalten beim Kochen ihr Aroma.

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Fortsetzung folgt.

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